Chinesische Technologie gewinnt für europäische Hersteller an Bedeutung
Volkswagen und Stellantis setzen bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen verstärkt auf die Zusammenarbeit mit chinesischen Technologieunternehmen. Auf dem Pariser Autosalon 2026 zeigten beide Konzerne, welche Bedeutung internationale Partnerschaften für ihre künftigen Fahrzeugstrategien haben.
Nach einem Reuters-Bericht vom 13. Oktober nutzen die Hersteller gezielt Erfahrungen und technologische Entwicklungen aus China, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Dabei geht es insbesondere um die Entwicklung moderner Fahrzeugplattformen, digitale Systeme und kürzere Entwicklungszeiten.
Der Wandel ist bemerkenswert: Während europäische Hersteller über Jahrzehnte eine wichtige Rolle beim Aufbau der chinesischen Automobilindustrie spielten, gewinnen chinesische Unternehmen inzwischen selbst als Technologiepartner an Bedeutung.
Stellantis baut Zusammenarbeit mit Leapmotor und Dongfeng aus
Der europäisch-amerikanische Automobilkonzern Stellantis verfolgt einen vergleichsweise offenen Ansatz bei der Zusammenarbeit mit chinesischen Herstellern.
Konzernchef Antonio Filosa erklärte auf dem Pariser Autosalon, dass Stellantis seine Partnerschaften mit Leapmotor und Dongfeng nutzt, um von deren technologischen Fähigkeiten und Entwicklungsmethoden zu profitieren.
Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit zwischen der Stellantis-Marke Opel und Leapmotor bei der Entwicklung eines elektrischen SUV.
Die Kooperation soll dazu beitragen, Entwicklungsprozesse zu beschleunigen und technologische Kompetenzen beider Unternehmen miteinander zu verbinden.
Darüber hinaus arbeiten Stellantis und Leapmotor an einer stärkeren industriellen Zusammenarbeit in Europa. Geplant ist unter anderem die gemeinsame Produktion von Elektrofahrzeugen in Spanien.
Damit reichen die Partnerschaften über den Austausch von Technologie hinaus und betreffen zunehmend auch die Fertigung und den europäischen Fahrzeugmarkt.
Volkswagen entwickelt gemeinsam mit XPeng neue Fahrzeugarchitekturen
Volkswagen setzt ebenfalls auf chinesisches Know-how, verfolgt dabei jedoch einen anderen Schwerpunkt.
Gemeinsam mit dem chinesischen Elektroautohersteller XPeng entwickelt der Konzern eine neue elektronische und elektrische Fahrzeugarchitektur für den chinesischen Markt.
Die sogenannte China Electrical Architecture soll die technische Komplexität moderner Fahrzeuge reduzieren und die Integration digitaler Funktionen vereinfachen.
Dazu gehören beispielsweise vernetzte Fahrzeugdienste, Softwareaktualisierungen und moderne Fahrerassistenzsysteme.
Volkswagen verfolgt mit dieser Zusammenarbeit das Ziel, Entwicklungszeiten und Kosten zu senken und neue Elektrofahrzeuge schneller auf den Markt zu bringen.
Anders als Stellantis konzentriert sich Volkswagen bei dieser Partnerschaft derzeit vor allem auf seine Aktivitäten in China. Neue Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Herstellern in Europa sind nach Aussagen der Konzernführung vorerst nicht vorgesehen.
Entwicklungsgeschwindigkeit wird zum Wettbewerbsfaktor
Die zunehmende Zusammenarbeit verdeutlicht, wie stark sich die Anforderungen an die Automobilentwicklung verändert haben.
Neben klassischen Eigenschaften wie Qualität, Sicherheit und Fahrverhalten gewinnen Software, elektronische Architektur und die Geschwindigkeit technischer Weiterentwicklungen an Bedeutung.
Chinesische Hersteller haben sich insbesondere bei der Entwicklung digital vernetzter Elektrofahrzeuge und bei der schnellen Einführung neuer Modelle als wichtige Wettbewerber etabliert.
Für europäische Konzerne bieten Partnerschaften die Möglichkeit, auf bestehende Technologien und Entwicklungserfahrungen zurückzugreifen.
Allerdings entstehen dadurch auch neue strategische Fragen. Dazu gehört beispielsweise, welche Technologien künftig selbst entwickelt werden sollen und in welchen Bereichen eine Zusammenarbeit mit externen Partnern wirtschaftlich sinnvoller ist.
Internationale Partnerschaften verändern die Automobilindustrie
Die Entwicklungen bei Volkswagen und Stellantis zeigen, dass der technologische Wettbewerb zwischen Europa und China nicht ausschließlich von Konkurrenz geprägt ist.
Beide Seiten können zugleich Wettbewerber und Entwicklungspartner sein.
Während europäische Hersteller ihre Kompetenzen in Fahrzeugentwicklung, Produktion und Markenführung einbringen, gewinnen chinesische Unternehmen insbesondere bei Elektromobilität, Software und digitalen Fahrzeugtechnologien an Bedeutung.
Wie erfolgreich die unterschiedlichen Strategien sein werden, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen.
Entscheidend dürfte sein, ob es den Herstellern gelingt, technologische Fortschritte in wettbewerbsfähige Fahrzeuge umzusetzen und dabei Entwicklungskosten, Qualität und langfristige Unabhängigkeit miteinander zu vereinbaren.